Stimmen zur Ausstellung aus dem Seminar „Partizipation in Theateravantgarden und performativen Künsten“ – Part 2

Stimmen zur Vermittlung des Ausstellungsthemas

Ausstellungsansicht „Black Mountain.Ein interdisziplinäres Experiment 1933-1957“ im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart – Berlin. / Von links: Cy Twombly: Untitled, 1951. / Robert Rauschenberg: Pink Door, 1954. / © Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, SMB / Thomas Bruns

Ausstellungsansicht „Black Mountain.Ein interdisziplinäres Experiment 1933-1957“ im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin. / Von links: Cy Twombly: Untitled, 1951. / Robert Rauschenberg: Pink Door, 1954. / © Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, SMB / Thomas Bruns

Claudia Ferse: “Wie ist es gelungen, die Wirkung und das Wesen des amerikanischen Kunstkollektivs Black Mountain College, wiederzugeben? Mir schien das als eine sehr schwierige Aufgabe. Als ich durch die Räume der Ausstellung ging, bekam ich das Gefühl, ich laufe einen aufregenden Parcour. Denn einerseits ist die Ausstellung ein großer offener Raum, der sich aber mitten drinnen immer mal wieder zu kleinen Nischen oder geschlossenen Räumen öffnet. Es wirkt für mich zum Teil auch ein wenig improvisiert, was vermutlich den Zeitgeist dieses Colleges gut widerspiegelt, indem es nicht um die Ergebnisse einer Aufgabe geht sondern vielmehr um die Erfahrung und die Teilnahme an einem Entstehungsprozess. Durch die verschiedenen Aneinanderreihungen von Kunstwerken bekam ich das Gefühl, dass versucht wurde, deutlich zu machen, wie man in diesem College alle Kunstrichtungen versucht hat zu vereinen beziehungsweise, wie jeder Student auch an jedem Kunstseminar teilnehmen konnte, egal, ob er Kenntnisse in diesem Bereich hatte oder nicht. Jeder konnte sich individuell und interdisziplinär seinen Unterricht aus den unterschiedlichsten Bereichen selbst zusammen stellen. So wie ich durch das Museum langsam gehen musste, um auch wirklich alles zu sehen und in Ruhe zu verinnerlichen, gingen vermutlich auch die Studenten mit ihren Lehrenden durch ihr College und haben über neue Ideen und Formen gesprochen und fantasiert. Denken im Gehen kam mir in den Sinn.”

Katharina Anchalie Schulz: “Die Ausstellung schafft es leider nur begrenzt die Philosophie des Black Mountain College adäquat zu vermitteln. (…) Obwohl viele der Exponate sehr interessant sind, vermittelten sie dennoch meiner Meinung nach leider nicht viel über den Lernprozess am Black Mountain College. Sie sind die Ergebnisse dessen, ohne dabei den eigentlichen Ansatz, den Fokus auf den Prozess, das Scheitern oder auch die künstlerische Erfahrung, deutlich zu machen. (…) Interessanter in dieser Hinsicht sind die vielen medialen Zwischenstationen der Ausstellung. So gibt es immer wieder Kopfhörer, durch die man die Musik hören kann, oder Bildschirme über die man sich kurze Videos, zum Beispiel mit Interviews verschiedener mit Black Mountain assoziierten Personen, anschauen kann. Gerade diese Interviews mit Menschen, die die tatsächlichen Erfahrungen am College miterlebt hatten, können viel mehr die Philosophie Black Moutains deutlich machen, als z.B. die Webmuster Annie Albers.”

Marius Legowski: “Der erste Eindruck zur Ausstellung, der sich beim Besuch einstellt, ist die Ästhetik der Unfertigkeit, welche die Szenographie und Raumausstattung ausstrahlt. Sperrholzplatten als Stellwände, Holzgerüste und ein Black Mountain-Schriftzug in knalligem Orange und Graffiti-Style; der inhaltliche Bezug zu Erfahrung, Prozesshaftigkeit und prinzipiellem Unvollendetsein von Werk und Welt als philosophischen Grundmaximen des Black Mountain Colleges drängt sich einem sofort ästhetisch auf. Ob es allerdings dadurch gelingt, diese Ideen auch erfahrbar zu machen ist eine andere Frage. (…) Die Verknüpfung von den ausgestellten Werken bzw. Archivmaterialien und den Erzählungen der Studenten zu ihrer Studienzeit hätte möglicherweise einen Raum der Erfahrung und des Verstehens für das, was so besonderes am College vor sich ging, eröffnen können. Doch durch die Anordnung und die Trennung von Videoinstallation und Exponaten blieb es in meiner Wahrnehmung etwas unverknüpft, in welcher Weise der ‘Geist’ dieser Hochschule sich im praktischen Tun und dem dort gelebten Alltag manifestiert.”

Abschließende Gedanken zur Ausstellung

Katharina Anchalie Schulz: “Insgesamt lässt sich zu der Ausstellung „Black Mountain. Ein interdisziplinäres Experiment 1933 – 1957“ sagen, dass sie durchaus gute Ansätze hat und es schafft zeitweise die Philosophien und Ideen hinter diesem College deutlich zu machen. Aber aufgrund der Tatsache, dass diese eben größtenteils auf vergänglichen Werten beruhen, wie dem Lernprozess oder der künstlerischen Erfahrung, sind die vielen materiellen Exponate lediglich recht interessant, aber nicht sehr ertragreich, wenn man den interdisziplinären Ansatz hinter ihnen verstehen will. Abgesehen davon vermittelt die Ausstellung sehr viele allgemeine Informationen zum Black Mountain College, seinem Aufbau und seinen Lehrenden und Lernenden, so dass man zumindest sagen kann, dass sie Interessierten eine gute Übersicht über das Thema bieten kann und auch dazu anregt, selbstständig mehr herauszufinden.”

Julia Wilde: “Mir persönlich hat die Ausstellung sehr gut gefallen, da man einen guten Eindruck, besonders durch die Interviews und die Video-, sowie Toninstallationen, als auch durch die Werke selbst bekommen hat. Die chronologische Führung durch den Raum hat dazu sehr anschaulich beigetragen. Zur Verbesserung der Ausstellung würde ich vorschlagen, dass man den ‘Raum’, in dem die Performances und Lesungen stattfinden mehr ins Zentrum der Ausstellung setzt, da man als Besucher erst am Ende der Ausstellung darauf trifft. Abschließend kann ich sagen, dass es ein sehr gelungenes und eindrucksvolles Projekt ist, das sehr zum Nachdenken anregt und zum Überdenken unserer gesellschaftlichen Strukturen, welche im Vergleich sehr verschieden sind.”

Caitlin Schneider: “Ich fand die Ausstellung wirklich sehr gut und informativ, einzig und allein der Bezug zur Aktualität, zur Gegenwart wurde durch die Ausstellung, meiner Meinung nach, nicht gut umgesetzt.”

Ein Artikel von  Claudia Ferse, Marius Legowski, Caitlin Schneider, Katharina Anchalie Schulz, Julia Wilde

Teilnehmende StudentInnen der Lehrveranstaltung “Partizipation in den Theateravantgarden und Performativen Künsten” (Sommersemester 2015) geleitet von Prof. Dr. Annette Jael Lehmann an der Freien Universität Berlin